Über Symbolisches...

TEXTE RECKLING

 

 

Muschelbänke

 

Über Symbolisches...

An dieser Stelle möchte ich für

den interessierten Betrachter mehr

Informationen zu meinen

Bildinhalten bieten. Ich bin mir

allerdings durchaus im Klaren

darüber, dass verschiedene

Menschen auch verschiedene Sehweisen, unterschiedliche Erfahrungen und Geschmäcker haben, so dass ein und dasselbe Bild zu ganz differenten Interpretationen führen kann. Letzten Endes ist aber wohl diejenige Bildaussage entscheidend, die dem Betrachter wichtig ist, nicht meine eigene.

 

Themen, die ich immer wieder bearbeite, sind das bewußte Denken, das Gedächtnis, Wertevorstellungen, Denkmuster usw. Obwohl manche meiner Werke surreal anmuten könnten, beziehen sie sich jedoch auf sehr alltägliche Dinge. Schließlich ist unser Gehirn bei jedem Menschen im Wachzustand ständig bei der Arbeit. Für Gefühle haben wir sehr wohl Symbole, z. B. Smilies, für Denkmuster oder Vorgänge, die beim Denken ablaufen, jedoch nicht.

 

Fragestellungen, wie " Können wir uns wirklich auf unser Gedächtnis verlassen?", "Wie sind unsere persönlichen Wertvorstellungen entstanden und was passiert, wenn wir feststellen, dass wir uns irren? Sind wir dann überhaupt in der Lage unser Denken einfach zu korrigieren?", versuche ich mit meinen Bildern näher zu beleuchten.

 

Bei der Betrachtung von "Muschelbänke" entstehen aus dem Fluß heraus verhärtete Ansichten, die kaum mehr veränderbar sind. Erst einmal ist das neutral zu werten. Denkt man zum Beispiel an Intoleranz, wäre das wohl negativ zu sehen, denkt man allerdings an Toleranz durchaus positiv. Aber schon beim Schreiben fällt mir auf, dass ich hier meine eigenen Wertvorstellungen mit eingebracht habe: Toleranz = gut, Intoleranz = schlecht. Aber ist das in jedem Fall wirklich richtig?

Das ist natürlich nur eine mögliche Interpretation des Bildes. Viele weitere sind vorstellbar: verknöcherrittes Denken, Kristallisation der Vorlieben oder Abneigungen und und und..... Der Assoziationskraft sind hier kaum Grenzen gesetzt.

 

Grundsätzlich kann man sagen, dass es sehr helfen kann bei der Entschlüsselung der Symbolik, die Traumdeutung zu rate zu ziehen. In Träumen werden oft ähnlich Symbole benutzt.

 

Zum Abschluß noch eine grobe Übersicht zur Farbgebung, künstlerische Freiheit vorausgesetzt:

 

schwarz: nicht nur Tod, sondern wie in den Bildern

"Schwarzes Gold", auch Öl, Kohle, also Energie.

Auch Druckerschwärze, somit Wissen oder

Information. Schwarze Erde verbinde ich mit

Bodenhaftung, dem Verbleiben in der Realität, im

Gegensatz zu Tagträumen oder der Fantasie.

 

weiß: klares Wissen, Ideelles, Erleuchtung, Inspiration,

Unschuld.

Vergessen darf man allerdings nicht, dass im fernen

Osten weiß auch die Farbe der Trauer ist.

 

gelb: sonnig, neue Erkenntnisse, aber auch Neid.

 

rot: Liebe, Leidenschaft, Feuer, aber auch Blut, Schmerz.

 

blau: Wissen, Treue, Tiefgründigkeit, freies Assoziieren

(freier Himmel)

 

grün: Hoffnung, Wachstum, aber auch übermäßiges

Wachstum (dschungelartig, grüne Hölle).

 

Die Farbgebung entspricht somit der herkömmlichen Interpretation plus den negativen Assoziationen. Das Ganze ist natürlich nicht dogmatisch zu sehen, sondern eher als eine mögliche Richtung, oder als ein Vorschlag.

 

 

Annemarie Reckling, Worms im Dezember 2014